Aus dem Heimat-Tagebuch: Zu Besuch bei der Oma im Dorf

Aus dem Heimat-Tagebuch: Zu Besuch bei der Oma im Dorf
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Mitte August fällt die Flucht von der Stadt auf Land sehr leicht. Der Sommer und seine Hitze sind zurück, weshalb es nach wunderbarer Abwechslung klingt, für einige Tage aus dem heißen Niederösterreich in die etwas kühlere Steiermark zu flüchten.  Die Großeltern freuen sich auf den Besuch der Enkerl und die Enkerl freuen sich auf ausgiebige Wanderungen an der frischen Bergluft. Also geht’s ab aufs Land und wenn ich das so sage, mein ich das auch.  

Nächster Halt: St. Johann am Tauern, Bezirk Murtal, knapp 500 Einwohner, ein paar hundert Kühe und ein kleiner Lebensmittelladen. Was auf den ersten Blick etwas verschlafen wirkt, ist auf den zweiten Blick ein kleines Paradies, in dem man gerne einige Tage verschnauft. Wieso gerade dieser Teil der Steiermark ganz besonders ist, erfährst du, wenn du weiterliest!   


Am Donnerstag geht die Reise für mich, Leonie, und meine Schwester Elli los. Nur knappe 3 Stunden aus Niederösterreich, wurden wir natürlich schon sehnlichst von den Großeltern erwartet. Auch wir freuen uns auf ein Wochenende voller Abwechslung und ein bisschen Versöhnung von der Oma. Begrüßt mit einer steirischen Brettljause, inklusive Käse aus der Umgebung und Eiern vom Bauernhof nebenan, hat uns die Oma schon am ersten Abend perfekt das steirische Flair überbracht.  

Am nächsten Tag starten wir schon relativ früh los in Richtung Hohentauern. Denn, auch wenn St. Johann selber nur seeehr klein ist, ist es doch von einigen tollen Attraktionen umgeben.  Wunderbare Spazier- und Wanderrouten sind nur wenige Fahrminuten entfernt. Wir starten im Pfahlbaudorf in Hohentauern mit der Teichrunde. Der flache Weg führt, wie der Name schon sagt, um die Teiche herum und bietet wunderbare Natur, sogar wilde Heidelbeeren finden wir. Während des Spaziergangs erzählt die Oma von einer tollen Ausstellung, die sie hier, im Vorjahr besucht hat. “Menschenbilder”, so heißt die Ausstellung, zeigt jährlich einen Querschnitt durch das fotografische Schaffen österreichischer Berufsfotografen. Auch dieses Jahr wandert die Ausstellung in der Steiermark, aber auch in den anderen Bundesländern, von Ort zu Ort. Mehr Infos dazu findet man auf der Menschenbilder Website.
 
Nach circa 50 Minuten, sind wir aufgewärmt und machen uns nach der Teichrunde auf den Weg hinauf zur Edelrautehütte und dem Großen Scheibelsee. Der wunderbar klare Bergsee ist ein besonderer Favorit und ist bei jedem Großelternbesuch einen Ausflug wert! Bei schönem Wetter trifft man auch einige andere fleißige Wander*innen und Spaziergänger*innen, die es bis zur Hütte und anschließend noch weiter hinauf und rund um den See schaffen. Ganz Mutige erfrischen sich (im Sommer) im kühlen Bergsee. Zur Stärkung gibt es auf der Edelrautehütte regionale und saisonale (Eierschwammerl!!) Köstlichkeiten.  
 

Unser Tipp: Besuch der Edelrautehütte
Im Sommer ist am Wochenende auf der Edelrautehütte einiges los, daher empfehlen wir, wenn es möglich ist die Hütte unter der Woche zu besuchen.  

Der große Scheibelsee inmitten der Bergwelt Hohentauerns. ⓒ Leonie

Zurück in St. Johann wird nach einem ereignisreichen Tag kurz ausgeruht, bevor uns der Opa sein ganz geheimes Eierschwammerl Platzerl zeigt. An dieser Stelle versteht sich hoffentlich, dass ich dieses Platzerl nicht preisgeben darf. Mit dem alten Haflinger (der im Puch Museum zu bestaunen ist, wenn ihn die Enkerl nicht gerade zum Eierschwammerl suchen brauchen), geht es die Forststraße hinauf, bis wir am berüchtigten Platzerl angekommen sind. Die äußerst holprige Fahrt hat sich ausgezahlt und wir kommen mit einer ordentlichen Portion fürs Abendessen wieder heim. Die Oma ist happy und wir auch. 


Unser Tipp: Puch Museum  
Wer Fan von Oldtimern ist, der sollte auf alle Fälle im Puch-Museum in Judenburg vorbeischauen. Das Museum orientiert sich nach dem Lebenswerk von Johann Puch und zeigt die Puch Zwei- und Vierradfahrzeuge, gemeinsam mit Informationen zum Leben des Puch Begründers und der Entwicklung der Marke Puch.   


Die Wanderung zum Scheibelsee hat uns Gusto auf mehr gemacht. Daher geht es am nächsten Tag etwas weiter ins Lachtal. Denn, neben einem tollen Skigebiet, bietet das Lachtal im Sommer Wanderrouten für diverse Levels. Wir suchen uns eine mittelschwere Route aus und machen uns für die nächsten 2 Stunden auf den Weg in Richtung Hohen Zinken. Den Gipfel haben wir schneller erklimmt als erwartet und wir werden von einer grandiosen Aussicht belohnt. Es geht zurück hinunter, wo die Großeltern schon in der Klosterneuburgerhütte auf uns warten. Denn eine kleine Stärkung nach dem Wandern gehört bei uns einfach dazu. Am Heimweg nehmen wir uns fest vor, beim nächsten Mal im Lachtal die längere und anspruchsvollere Gipfeltour zu bestreiten!  


Unser Tipp: Übernachten im Lachtal
Im Lachtal gibt es übrigens viele Unterkünfte und Feriendörfer, die im Winter, aber auch im Sommer wanderlustigen Besuchern zur Verfügung stehen. Direkt im Lachtal und auch um das Lachtal herum werden wirklich tolle Aktivitäten für Groß und Klein angeboten!  


Am nächsten Tag, ein Sonntag, haben wir wirklich Glück. Denn jeden ersten Sonntag im Monat findet in Seckau (45 Minuten Fahrtzeit von St. Johann) der Jazz Brunch im Hofwirt statt. Das denkmalgeschützte Barockhaus befindet sich neben dem Stift Seckau und bietet wunderbare Kulinarik, Übernachtungsmöglichkeiten, einen Hofladen und natürlich auch Frühstück, insbesondere den Jazz Brunch. Beim Ankommen frühstückt gerade eine Hochzeitsgesellschaft auf der Terrasse und wir finden auch, dass der Hofwirt nach einem sehr schönen Platzerl zum Heiraten scheint – die Stimmung im Hotel ist wirklich ansprechend. Für den Brunch ist ein extra Saal reserviert, in dem die Band sowie das reichlich gedeckte Frühstücks- bzw. Mittagsbuffet (Corona entsprechend) genug Platz haben. Während die Musik sehr angenehm, aber doch sehr stimmungsvoll im Hintergrund spielt, bleiben beim Essen & Trinken keine Wünsche offen! Die Schnappschüsse zeigen die vielfältige Auswahl. Nach zweieinhalb gemütlichen Stunden beim Brunchen, geht es über den Hofladen weiter ins Stift nebenan. Es beginnt plötzlich zu Schütten und wir sind froh, dass wir die Vortage in der Sonne am Berg verbracht haben. Der Sonntag war mit Brunch der perfekte gemütliche Ausklang für ein langes Wochenende in der Steiermark.  


Wir waren selbst überrascht, dass es doch wieder Neues zu entdecken gab, denn wir waren natürlich nicht das erste Mal zu Besuch bei den Großeltern. Obwohl St. Johann am Tauern kaum jemand kennt, gibt es im Dorf und rundherum einige sehenswerte Geheimtipps. Die Region bietet wunderbare Abenteuer und eine Vielfalt an Aktivitäten für jedes Wetter, jede Saison und jeden Geschmack. Wir freuen uns schon auf unseren nächsten Besuch im Herbst, bei dem wir sicher wieder Einiges an diesem besonderen Fleckerl Erde entdecken.  


Zuätzliche Tipps: 
Wipfelwanderweg  
Den Wipfelwanderweg sind wir schon einige Male gegangen und immer wieder begeistert über die Aussicht so hoch in den Baumwipfeln.

Günstner Wasserfälle
Der größte Wasserfall der Steiermark ist einen Besuch wert!

Hochseilgarten Oberwölz
Wenn die Wanderrouten zu wenig anspruchsvoll sind, gibts auch für richtige Kletteräffchen was passendes in der Umgebung.



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